Erntedankfest 2019 in der Kirche Simon und Judas

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„Was ist gerechtes Essen?“

FAMILIENGOTTESDIENST ZUM ERNTEDANKFEST in der Kirche Simon und Judas

„Auch in diesem Jahr möchten wir unseren Familiengottesdienst zum Erntedankfest auf dem Bauernhof feiern. Am 06.10.2019 laden wir alle großen und kleinen Besucher/innen auf den Hof der Familie Weissinger im Stürzweg ein. Der Posaunenchor wird den Gottesdienst begleiten.“ So hieß es in der Einladung zum Gottesdienst am Erntedankfest. Schon am Vortag war den Verantwortlichen um Pfarrerin Schneider klar, dass wir diese Einladung so nicht aufrechterhalten konnten. Das regnerische und kühle Wetter hat es dieses Jahr nicht möglich gemacht, im Freien auf dem Bauernhof zu feiern. Der Einladung zum Familiengottesdienst deshalb in die Kirche waren dann doch einige gefolgt. Kinder, Konfirmanden und Konfirmandinnen und viele Erwachsene wollten diesen  besonderen Gottesdienst miteinander feiern. Die Körbchen der Kinder und die gefüllten Sammelbüchsen der Konfirmanden wurden zu Beginn nach vorne zum Altar zu den dort dekorierten Erntegaben gestellt. Pfarrerin Schneider erzählte die Geschichte der jungen Königstochter. Einige Kinder schlupften dabei spontan in die Rolle einer Dienerin oder eines Dieners am Königshof. Sie zeigten die Speisen, die es bei Tisch gab und von denen  die Königstochter immer wissen wollte, woher sie kamen, ob sie rechtmäßig erworben wurden oder ob die Bauern gezwungen wurden, das Essen abzugeben. Denn dann stand die Prinzessin lieber hungrig vom Tisch auf. Es gab aber auch Speisen, die sie gerne aß. Wenn sie z.B. wusste, dass ihr Gemahl  die Fische im Fluss selbst gefangen hatte, das Gemüse aus dem Burggarten kam  oder die Bäuerin für das Brot entsprechend entlohnt wurde. Dann freute sich die Prinzessin, denn es war ein gerechtes Essen. Diese Speisen reichten die Dienerinnen und Diener den Gottesdienstbesuchern dann auch zum Probieren. Es war kein Märchen, dass da erzählt wurde, es ist die Geschichte der Landgräfin Elisabeth von Thüringen. Jung verheiratet mit dem Landgrafen von Thüringen verhielt sie sich nicht so, wie es von einer Gräfin erwartet wurde. Sie kümmerte sich um Kranke, pflegte Aussätzige, verschenkte ihr Schmuck und aß nur das, was nicht durch ungerechte Abgaben erpresst wurde.

 Heute gehen wir in die Geschäfte und kaufen die Lebensmittel, die wir brauchen.  Aber auch wir kennen die Frage: „Was ist gerechtes Essen?“ und die weiteren Fragen, die uns dazu einfallen: Welchen Lohn erhalten die Kaffeebauern oder Bananenpflücker? Welchen Gewinn erwirtschaften die Landwirte für den Ertrag ihrer Felder? Wie werden Tiere gehalten, deren Fleisch wir essen? Kaufen wir Eier von Hühner aus Legebatterie Haltung oder bevorzugen wir solche von Hühnern aus Bodenhaltung?

Mit der Frage von Elisabeth von Thüringen nach gerechtem Essen im Ohr würden wir heute Obst und Gemüse kaufen, was bei uns gewachsen ist, im Sommer Erdbeeren und im Winter Äpfel. Auch Nüsse aus Tansania, Sesamriegel aus Ägypten und Schokolade mit Kakao aus Westafrika hätte sich Elisabeth schmecken lassen, wenn es sich um fair gehandelte Lebensmittel handelt, gerechter Lohn gezahlt wurde, Standards beim Umwelt- und Klimaschutz eingehalten wurden. Auch wir können heute entscheiden, was für uns gerechtes Essen ist und was auf unsere Tische kommt. So kann sich jeder einzelne dafür einsetzen, was ihm wichtig ist.

In einem Lied heißt es: Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern… Und zu solchen kleinen Schritten macht uns Jesus Mut wie es in der Schriftlesung zum Ausdruck kam. Jesus erzählt vom Himmelreich, von der Welt, in der es gerecht zugeht und alle Menschen das Notwendige zum Leben haben. Er erzählt wie es anfängt, vom Senfkorn zum riesigen Strauch, vom wenigen Sauerteig, aus dem zusammen mit Mehl viel Brot wird.

Für den Ständerling nach dem Gottesdienst hatten fleißige Hände süßes und salziges Gebäck vorbereitet, dazu gab es Kaffee, frischen Apfelsaft und frische Milch vom Bauernhof Weissinger. Vielen Dank allen Mitwirkenden und Helferinnen, ganz besonders dem Posaunenchor für die musikalische Begleitung.